Beckenbodenschwäche

Die Beckenbodenschwäche bedeutet eine unzureichende Stabilität des Beckenbodens, kann aber auch durch einen verspannten Beckenboden auftreten. Die Beckenbodenmuskulatur und ihre Bänder können die inneren Organe des Bauchraumes nicht ausreichend in ihrer Position halten und sinken nach unten. Damit kann der Beckenboden seine Aufgabe nicht mehr ausreichend erfüllen.

Ursache dafür können vermehrte Drucksituationen wie beispielsweise durch schmale Fahrradsättel, Schwangerschaft und Geburt, aber auch nach Husten, welcher oftmals über Wochen reizt, sein. Es bilden sich Verklebungen im Muskel (Triggerpunkte), die bei Anspannung Schmerzen auslösen (oftmals verbunden mit häufigen Übertragungsschmerzen bis in den Rücken und/oder Unterbauch). Diese Beeinträchtigungen stören massiv die Funktion des Beckenbodens. Hier stimmt also die Theorie, dass der Beckenboden schlaff wird, nicht!

Der gesunde Beckenboden kann „reflektorisch“, das heißt für kurze Momente, angespannt werden – so wird verhindert, dass wir beim Niesen oder Husten unwillkürlich Harn oder Stuhl verlieren. Aufgrund von Überdehnungen, zum Beispiel während der Geburt oder nach Traumen, reagiert die Muskulatur mit Verspannungen. Der Beckenboden verliert an Beweglichkeit und kann z.B. die Harnröhre nicht gut verschließen, die den Druck beim Niesen oder Husten ausgleicht.Diese Spannung sollten gleich zu Beginn der Therapie behandelt werden, damit die Beckenbodenmuskulatur wieder ihre Funktion übernehmen kann.

Erst ein entspannter Beckenboden kann mit Übungen etwas anfangen und trainiert werden.  Daher ist der Beginn mit funktionellen Übungen erst nach der Therapie sinnvoll und effektiv.

Der Beckenboden aus Sicht der Frau?

Den Beckenboden kann man sich wie ein elastisches Trampolin vorstellen. Er gibt Halt und hält Spannung zugleich. Höchstleistung vollbringt er während der Schwangerschaft, der Geburt und danach (zB. beim Tragen der Kinder).

Auch Operationen und Traumen (Stürze auf das Steißbein), Kältetraumen (Sitzen auf kalten Steinen) sind Verursacher zahlreicher Probleme und Schmerzen. Durch diese Belastungen und Verletzungen leidet die Funktion des Beckenbodens – Schwächen und Schmerzzustände entstehen.

Beim Husten, Niesen oder Springen fällt erstmals auf, dass man nicht mehr „ganz dicht“ ist.

Bei Frauen sollte nach jeder Schwangerschaft bzw Geburt eine Beckenbodengymnastik durchgeführt werden, um spätere Beschwerden vorzubeugen. Es kann infolge einer Beckenbodenschwäche zu einer sogenannten Gebärmuttersenkung kommen.

Der Beckenboden aus Sicht des Mannes?

Auch Männer haben einen Beckenboden, allerdings zeigen sich die Probleme etwas anders als bei den Frauen. Beckenbodenschmerzen entwickeln sich nach Verletzungen, Operationen (häufig nach Prostataoperationen), aber auch bei falschen Gewohnheiten.

Bei Männern sind Diagnosen von Beckenbodenbeschwerden unter chronischer Prostatitis (CPPS – chronic pelvic pain syndrome) und Blasenstörungen bekannt. Leider fehlt oft die Information, dass diese auch behandelt werden können.

Bei Männern zeigen sich die Beschwerden beim Sitzen und beim Radfahren. Dabei wird vor allem der vordere Anteil des Beckenbodens dauerbelastet und verstärkt die Symptome von Triggerpunkten, die ausstrahlende Schmerzen bis in Beine, Bauch und Rücken mitverursachen können.
Auch beim Mann finden sich vor allem Verspannungen und verkrampfte Zustände.

Beschwerden:

  • Unterleibsschmerzen
  • Belastungsinkontinenz
  • Dranginkontinenz
  • Gebärmutter- bzw. Scheidensenkung
  • Blasensenkung (Zystozele), Enddarmsenkung (Rektozele), Senkung des Darms (Enterozele)
  • Stuhlinkontinenz

Sind Übungen sinnvoll?

Viele Patienten beginnen bei Beschwerden wie verrückt ihren Beckenboden zu trainieren – meist durch selbst recherchierte Übungen aus Broschüren oder dem Internet, aber nach ein paar Wochen oder Monaten hat sich kaum etwas getan. Das liegt daran, dass das Wissen darüber fehlt, wo der Beckenboden genau liegt und wie man ihn bewusst machen kann.

Vele Frauen haben einen zu sehr angespannten Beckenboden. Durch Übungen und Training des Beckenbodens ohne vorherige Therapie verschlimmern sich die Symptome und Besserungen treten nicht ein.

In diesen Fällen ist es notwendig das Becken zuerst in der Therapie zu behandeln und erst danach mit Beckenbodengymnastik beginnen. Teils ist eine zusätzliche Elektrotherapie empfehlenswert.